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Caronline Neufert

Caroline Neufert, Bearing Point

News vom: 26.08.2010

Interview mit Caroline Neufert, Senior Managerin bei Bearing Point und Gesamtprojektleitung für „Kompetenzzentrum neuer Personalausweis“
Für die Praxis tauglich
Akzeptanz und Vertrauen für neuen Personalausweis durch Anwendungstests fördern

In weniger als vier Monaten ist es soweit: Ab 1. November 2010 wird der neue Personalausweis (nPA) im Scheckkartenformat den bisherigen Sichtausweis ablösen.
Sowohl online als auch offline wird der nPA künftig das Dokument sein, mit dem sich der Anwender ausweist und seine Identität nachweist. Auf der anderen Seite müssen Anbieter elektronischer Dienste, wie eGovernment-Portale oder Online-Shopping-Dienste, sich zunächst selbst gegenüber dem Anwender ausweisen und können danach die Identität des Users zweifelsfrei überprüfen. Für den Erfolg des neuen Personalausweises ist allerdings entscheidend, dass zahlreiche Dienstanbieter aus Wirtschaft und Verwaltung den Identitätsnachweis und die qualifizierte Signaturfunktion in verschiedene Kunden- und Bürgerdienste vorab einbinden. Die am zentral koordinierten Anwendungstest beteiligten Unternehmen und Behörden werden dabei unmittelbar von einem Kompetenzzentrum im Auftrag des Bundesministeriums des Innern (BMI) betreut und unterstützt.
Die Redaktion des Signaturkarten-Portals sprach darüber mit Caroline Neufert, Senior Managerin bei Bearing Point und Gesamtprojektleiterin für „Kompetenzzentrum neuer Personalausweis“.


1. Was ist das Ziel des Kompetenzzentrums? Welche und wie viele Teilnehmer befinden sich unter den ersten Anwendern?
Caroline Neufert: Mit dem zentral koordinierten Anwendungstest bereiten wir ca. 30 bis 40 verschiedene E-Business- und E-Government-Dienste auf den neuen Personalausweis vor. Darunter sind Unternehmen wie die Allianz Deutschland, Air Berlin, die Deutsche Rentenversicherung, die Schufa oder auch Fujitsu Technology Solutions. Der Fokus der Tests liegt auf Praxistauglichkeit, Handhabbarkeit und Akzeptanz des neuen PAs, sowohl für die teilnehmenden Diensteanbieter als auch für deren Probanden, wie Mitarbeiter und/oder Kunden, als potenzielle Personalausweisinhaber. Der zentral koordinierte Anwendungstest bietet den Teilnehmern dabei die Gelegenheit, als erste bei der Einführung des neuen PAs mitzuwirken, kompetente Unterstützung bei der Vorbereitung ihrer Anwendungen und Anpassung der Systeme zu erhalten sowie schnell eine technisch ausgereifte Lösung zum sicheren Identitätsnachweis für ihre Kunden oder Mitarbeiter umzusetzen. Getestet werden dabei alle Eventualitäten – sowohl technisch als auch organisatorisch – mit dem Ziel, eine Art Wissensschatz aufzubauen. Diese Testergebnisse werden dann der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.


2. Bitte beschreiben Sie in wenigen Sätzen welche Organisationen sich dabei um welche Aufgaben kümmern.
Caroline Neufert: Das Kompetenzzentrum „Neuer Personalausweis“ unterstützt im Auftrag des BMI die Durchführung der Anwendungstests bei den teilnehmenden Unternehmen und Behörden. Das Team setzt sich aus rund 30 erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter Federführung von BearingPoint, den Fraunhofer-Instituten FOKUS und SIT und der Steria Mummert Consulting AG zusammen. Die Aufgaben des Kompetenzzentrums gliedern sich in:

die Testbegleitung im zentral koordinierten Test,
die Organisation des Test- und Demonstrationszentrums und
die Informationsbereitstellung im Rahmen der zentralen Wissens- und Kommunikationsplattform.

Im Fraunhofer-Institut FOKUS werden Authentisierungs und Signatur-Szenarien, wie Kontoeröffnung, Beantragung von Fahrkarten oder An- und Ummeldung von KFZ-Papieren, untersucht und vorgestellt.
Die Infrastruktur aller zentralen Komponenten, die in die elektronische Kommunikation zur Abwicklung der eID-Protokolle involviert sind, werden parallel im Fraunhofer-Institut SIT nach Vorgaben des BSI untersucht. Das Sicherheitslabor betrachtet insbesondere die übertragenen personenbezogenen Identitätsdaten im Hinblick auf die IT-Sicherheitsziele und den Datenschutz.

Alle Ergebnisse des Anwendungstests werden gesammelt, aufbereitet und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Die zentrale Wissens- und Kommunikationsplattform ist dabei die Seite
www.ccepa.de: Hier werden die am Anwendungstest der beteiligten Unternehmen, Behörden und Einrichtungen sowie die Testergebnisse vorgestellt.


3. Wie ist das Verständnis der Teilnehmer hinsichtlich Investition und Nutzen?
Caroline Neufert: Im zentral koordinierten Anwendungstest stehen wir den beteiligten Unternehmen, Behörden oder Institutionen mit einer intensiven Betreuung zur Seite. Die höhere Kundenzufriedenheit und -bindung wird dabei von allen als wichtigster Nutzen angegeben. Der neue PA minimiert die Fehlereingaben und ermöglicht dadurch beispielsweise eine Verbesserung der Kundenstammdaten. Allen Beteiligten ist klar, dass Investitionen im Bereich der Infrastruktur, wie den Aufbau oder die Nutzung des eID-Services  oder die Ausstellung der Berechtigungszertifikate durch Zertifizierungsanbieter, notwendig sind. Es muss eine Prozessanpassung innerhalb der eigenen Infrastruktur geben – ohne die ist das Projekt nPA nicht umsetzbar.

Neben den Unternehmen, Behörden oder Institutionen, die im Wettbewerb 2008/2009 als Teilnehmer am zentral koordinierten Anwendungstest ausgewählt wurden, gibt es über 190 Anmeldungen zu einem öffentlichen Anwendungstest. Diese Teilnehmer erhalten von uns Informationen über bekannte Anbieter und Bezugsquellen von passenden Testkarten, Kartenlesegeräten, eID-Servern und Supportdienstleistern.


4. Welche Rolle nimmt das Kompetenzzentrum bezüglich Aufklärung und Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern ein? Welche Kosten kommen auf die auf die Bürger zu?
Caroline Neufert: In enger Zusammenarbeit mit dem BMI haben wir ein Konzept mit umfangreichen Kommunikationsmaßnahmen erarbeitet, um die Bürger und Bürgerinnen umfassend aufzuklären. Insbesondere das Thema Datenschutz ist dabei ein wichtiger Aspekt, das wir mittels kontinuierlicher Abstimmung mit Datenschützern begleiten. Das BMI informiert darüber hinaus sowohl interessierte Unternehmen und Organisationen als auch Bürger auf seinem Portal www.personalausweisportal.de.

Die Kosten für den nPA sind noch nicht vom Bundesrat verabschiedet. Es ist aber damit zu rechnen, dass der neue Personalausweis etwa 28,80 EUR kosten wird bei einer Gültigkeit von zehn Jahren. Das sind weniger als drei Euro im Jahr, hinzu kommen natürlich noch die Anschaffungskosten für einen zertifizierten Kartenleser.


5. Was waren die wichtigsten Meilensteine des Projekts? Und wie lauten die ersten Ergebnisse?
Caroline Neufert: Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass das Interesse am neuen Personalausweis überdurchschnittlich hoch ist. Vor rund einem Jahr, am 23. Juli 2009, sind wir mit dem koordinierten Anwendungstest gestartet. Im Januar diesen Jahres konnten wir den eID-Service bereitstellen und im Mai war die Live-Schaltung der offiziellen Vergabestelle für Berechtigungszertifikate, die im Bundesverwaltungsamt in Köln angesiedelt ist. Der Anwendungstest endet am 31. Oktober 2010, aber schon jetzt sind erste, zufriedenstellende Ergebnisse zu verzeichnen. Die Integration der Infrastruktur beispielsweise verlief deutlich schneller als erwartet und hat damit viele Teilnehmer positiv überrascht und von dem Projekt neuer PA schnell überzeugt. Ein weiterer wichtiger Punkt für eine erfolgreiche Umsetzung ist die Handhabbarkeit des neuen Personalausweises. So muss der AusweisApp, sprich die zu installierende Anwendersoftware, für den Nutzer selbsterklärend sein. Aber auch die Transparenz über die auszulesenden Daten ist essentiell und entscheidend für eine Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern.