
Interview mit Rainer Höfer
Interview mit Rainer Höfer, Abteilungsleiter IT-Systemfragen / Telematik des GKV-Spitzenverbandes.
Der GKV-Spitzenverband ist die zentrale Interessenvertretung aller gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland.
Das Thema: Steht die Gesundheitskarte vor dem Durchbruch?
Der GKV-Spitzenverband ist die zentrale Interessenvertretung aller gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland.
Das Thema: Steht die Gesundheitskarte vor dem Durchbruch?
Herr Höfer, im Gespräch ist die Gesundheitskarte schon länger, wirklich beim Patienten angekommen ist sie aber noch nicht. Wo stehen wir heute in der Entwicklung?
Nach dem Regierungswechsel 2009 wurden eine Reihe von Anwendungen für die Karte festgelegt. Ziel war es, Versicherte, Leistungserbringer (also z. B. Ärzte) und Krankenkassen für die Karte zu gewinnen. Flankiert wurden diese Maßnahmen durch gesetzliche Regelungen, die sowohl die verbindliche Online-Nutzung der Karte vorschreiben, als auch festlegen, wie die Karten von den Kassen auszugeben sind. Als Fazit nach mehr als zwei Jahren blieb aber festzuhalten, dass es kaum sichtbare Ergebnisse für die eigentlichen Anwender gibt, was uns nicht zufrieden stellte.
Welche Konsequenzen haben Sie als Interessenvertretung der Krankenkassen daraus gezogen?
Der GKV-Spitzenverband strebte ein alternatives Vorgehen an und suchte nach einer Lösung, die zeitnah einen ersten Nutzen bzw. eine Online-Anwendung für die Karte bereitstellt. Über ein halbes Jahr wurden unterschiedlichste Varianten möglicher Lösungen diskutiert und bewertet. Die Kernidee unserer Lösung sah schließlich vor, Abstand von einer Kompletteinführung zu nehmen und stattdessen die Anwendungen stufenweise einzuführen. So würden Arztpraxen oder Krankenhäuser frühzeitig mit einer Erstausstattung versehen werden und später Online-Updates erhalten, um weitere Anwendungen benutzen zu können. Dieses Vorgehen vermeidet eine erste „Wegwerflösung“ und erlaubt effizientere Projektabläufe.
Auf welche Resonanz sind Sie mit Ihren Vorschlägen gestoßen?
Unsere Lösung wurde zunächst mit den Datenschützern abgestimmt und dann für die verschiedenen Gremien vorbereitet. Dort sind wir auf ganz unterschiedliches Echo gestoßen. Die Resonanz der Selbstverwaltung, Politik und Industrie reichte von voller Zustimmung bis hin zu kompletter Ablehnung. Nach Gremiensitzungen der gematik, Moderation durch den Schlichter, der Einschaltung von Gutachtern und Diskussionen auf allen Ebenen konnte im Dezember 2011 ein von allen getragener Beschluss gefasst werden, der die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und der Telematikinfrastruktur deutlich beschleunigen wird. Konkret heißt das, dass sich die Idee eines stufenweisen Vorgehens durchgesetzt hat und mit Standardkomponenten eine schnelle Vernetzung aller Teilnehmer erreicht werden soll. Außerdem soll neben dem Online-Abgleich der Versichertenstammdaten auch die für die rechtliche Verbindlichkeit von Dokumenten notwendige qualifizierte elektronische Signatur, also die digitale Unterschrift des Arztes, frühzeitig eingeführt werden.
Was versprechen Sie sich von der Einführung der Gesundheitskarte?
Zunächst geht es um eine gemeinsame Kommunikationsplattform aller Beteiligten, die zeitnah weitere interessante und für alle Beteiligten nutzbringende Anwendungen ermöglicht. So wird es in Zukunft neben der automatischen Aktualisierung der Versichertenstammdaten mit der Gesundheitskarte und der Telematikinfrastruktur möglich sein, im Notfall wichtige medizinische Daten zu liefern, die Krankengeschichte eines Patienten ärzteübergreifend zu erfassen und die Kommunikation zwischen den Leistungserbringern zu optimieren. Einigkeit besteht darüber, dass weitere Anwendungen durch Kostenträger, Leistungserbringer oder die Industrie schnell entstehen sollen und nach erfolgreichen Tests auch eingeführt werden. Die notwendigen Rahmenbedingungen wurden hierfür bereits festgelegt.
Was ist Ihr Fazit?
Trotz aller Kritik, die von Gegnern der eGK geäußert wurde, ist eine praxistaugliche Lösung entstanden.
Der eigentliche Rollout der zukunftsfähigen Lesegeräte und die Ausgabe von rund sieben Millionen Karten an die Versicherten, etwa zehn Prozent, ist bereits erfolgt - fast unbemerkt. Erste positive Rückmeldungen von Patientenvertretern und Verbraucherschützern bestärken uns in unserem Vorgehen. Wir sind sicher, dass wir in den nächsten Jahren mit dem stufenweisen Vorgehen den Grundstein für eine Online-Welt zur besseren Versorgung der Versicherten im Gesundheitswesen legen.
Nach dem Regierungswechsel 2009 wurden eine Reihe von Anwendungen für die Karte festgelegt. Ziel war es, Versicherte, Leistungserbringer (also z. B. Ärzte) und Krankenkassen für die Karte zu gewinnen. Flankiert wurden diese Maßnahmen durch gesetzliche Regelungen, die sowohl die verbindliche Online-Nutzung der Karte vorschreiben, als auch festlegen, wie die Karten von den Kassen auszugeben sind. Als Fazit nach mehr als zwei Jahren blieb aber festzuhalten, dass es kaum sichtbare Ergebnisse für die eigentlichen Anwender gibt, was uns nicht zufrieden stellte.
Welche Konsequenzen haben Sie als Interessenvertretung der Krankenkassen daraus gezogen?
Der GKV-Spitzenverband strebte ein alternatives Vorgehen an und suchte nach einer Lösung, die zeitnah einen ersten Nutzen bzw. eine Online-Anwendung für die Karte bereitstellt. Über ein halbes Jahr wurden unterschiedlichste Varianten möglicher Lösungen diskutiert und bewertet. Die Kernidee unserer Lösung sah schließlich vor, Abstand von einer Kompletteinführung zu nehmen und stattdessen die Anwendungen stufenweise einzuführen. So würden Arztpraxen oder Krankenhäuser frühzeitig mit einer Erstausstattung versehen werden und später Online-Updates erhalten, um weitere Anwendungen benutzen zu können. Dieses Vorgehen vermeidet eine erste „Wegwerflösung“ und erlaubt effizientere Projektabläufe.
Auf welche Resonanz sind Sie mit Ihren Vorschlägen gestoßen?
Unsere Lösung wurde zunächst mit den Datenschützern abgestimmt und dann für die verschiedenen Gremien vorbereitet. Dort sind wir auf ganz unterschiedliches Echo gestoßen. Die Resonanz der Selbstverwaltung, Politik und Industrie reichte von voller Zustimmung bis hin zu kompletter Ablehnung. Nach Gremiensitzungen der gematik, Moderation durch den Schlichter, der Einschaltung von Gutachtern und Diskussionen auf allen Ebenen konnte im Dezember 2011 ein von allen getragener Beschluss gefasst werden, der die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und der Telematikinfrastruktur deutlich beschleunigen wird. Konkret heißt das, dass sich die Idee eines stufenweisen Vorgehens durchgesetzt hat und mit Standardkomponenten eine schnelle Vernetzung aller Teilnehmer erreicht werden soll. Außerdem soll neben dem Online-Abgleich der Versichertenstammdaten auch die für die rechtliche Verbindlichkeit von Dokumenten notwendige qualifizierte elektronische Signatur, also die digitale Unterschrift des Arztes, frühzeitig eingeführt werden.
Was versprechen Sie sich von der Einführung der Gesundheitskarte?
Zunächst geht es um eine gemeinsame Kommunikationsplattform aller Beteiligten, die zeitnah weitere interessante und für alle Beteiligten nutzbringende Anwendungen ermöglicht. So wird es in Zukunft neben der automatischen Aktualisierung der Versichertenstammdaten mit der Gesundheitskarte und der Telematikinfrastruktur möglich sein, im Notfall wichtige medizinische Daten zu liefern, die Krankengeschichte eines Patienten ärzteübergreifend zu erfassen und die Kommunikation zwischen den Leistungserbringern zu optimieren. Einigkeit besteht darüber, dass weitere Anwendungen durch Kostenträger, Leistungserbringer oder die Industrie schnell entstehen sollen und nach erfolgreichen Tests auch eingeführt werden. Die notwendigen Rahmenbedingungen wurden hierfür bereits festgelegt.
Was ist Ihr Fazit?
Trotz aller Kritik, die von Gegnern der eGK geäußert wurde, ist eine praxistaugliche Lösung entstanden.
Der eigentliche Rollout der zukunftsfähigen Lesegeräte und die Ausgabe von rund sieben Millionen Karten an die Versicherten, etwa zehn Prozent, ist bereits erfolgt - fast unbemerkt. Erste positive Rückmeldungen von Patientenvertretern und Verbraucherschützern bestärken uns in unserem Vorgehen. Wir sind sicher, dass wir in den nächsten Jahren mit dem stufenweisen Vorgehen den Grundstein für eine Online-Welt zur besseren Versorgung der Versicherten im Gesundheitswesen legen.


